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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Die Peeneland Agrar GmbH muss zahlen
Pressemitteilung vom 13.06.2002


12 Jahre lang währt der Streit um das Vermögen der LPG (P) Hohendorf bei Wolgast. Bei der Umwandlung im Jahre 1990/91 wurden einige der über 300 Mitglieder mit Beträgen von nur durchschnittlich ca. 70 ehemalige Mitglieder einen Klageantrag gestellt. Durch anwaltliche Fehler führte der Prozess damals trotz schwerwiegender Umwandlungsmängel und der klar bestehenden Ansprüche nicht zum Erfolg. Am Ende letzten Jahres haben wieder 25 ehemalige Mitglieder um ihre Vermögensanteile vor Fristablauf geklagt. Die Antragsbegründung – zugestellt durch das Landwirtschaftsgericht Stralsund – lagen vor einer Woche bei der Peeneland auf dem Tisch. Dem Geschäftsführer Herrn Kowolik war nun klar, dass er einen Teil des von ihm widerrechtlich genutzten Vermögens auszahlen muss. Dazu kommt, dass dem Bundestag und dem Bundeslandwirtschaftsministerium seit Jahresbeginn die Ergebnisse einer Studie über die LPG-Umwandlungen im Territorium vorliegen. Diese Studie wurde durch den Mitarbeiter des Bürgerbüros in Berlin, Uwe Bastian, im Auftrag der bundesunmittelbaren Stiftung des öffentlichen Rechts zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erarbeitet. Dabei ist unter anderem festgestellt worden, dass das Agrar-Imperium der Peenland heute die Flächen von 15 ehemaligen Gütern von Klotzow bis Schalense privat bewirtschaftet, die durch die Bodenreform enteignet wurden. Ca. 90% der mit der Bodenreform enteigneten Agrarflächen befinden sich nun in privater Bewirtschaftung ehemaliger Vorstandsmitglieder der LPGen. Die Peeneland hat heute ein Kapital von über 5 Millionen Euro. Sie ist nun gezwungen, endlich nach 12 Jahren, die Vermögensauseinandersetzung zu Ende zu führen, da sonst Pachtverträge und weitere geplante Landkäufe in Frage stehen oder sogar annulliert werden müssen. Die ehemaligen LPG-Mitglieder sitzen quasi gegenüber Herrn Kowolik jetzt am längeren Hebel. Da der Chef der Peeneland dies weiß, hatte er einige der früheren LPG-Mitglieder am Freitag in die Hohendorfer Firma eingeladen. Es wurden nun wieder Beträge angeboten, die weit unter den eigentlichen Ansprüchen liegen. Zinszahlungen erfolgten nicht. Die Auszahlung soll außerdem in fünf Jahresraten erfolgen. Das heißt, dass die oftmals schon älteren Bürger erst im Jahre 2006 mit der letzten Rate rechnen könnten. Hat eine Familie beispielsweise eine Bodenreformwirtschaft in der LPG eingebracht, so stehen den Erben heute bei 8 Hektar Land und der Bodenwertzahl von 25 über 20.000 Euro Anteilsauszahlung zu. Dieser Anteil setzt sich nach den Maßgaben des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes zusammen: aus dem Inventarbeitrag, der Verzinsung des Inventarbeitrages, der Bodennutzungsvergütung und der Wertschöpfung aus den Arbeitsjahren. War ein Mitglied nicht Landeinbringer, stehen ihm oder seinen Erben ca. 300 Euro pro Arbeitsjahr als Vergütung zu, wenn die Mitgliedschaft bis nach dem 15. März 1990 währte. Die nun in Hohendorf gegründete Interessengemeinschaft „LPG-Vermögen“ setzt sich zum Ziel, die Interessen der ehemaligen LPG durchsetzen zu helfen. In der Vermögensauseinandersetzug dürfen sich diejenigen, die eine Klage führen, und die, die ihre Ansprüche nun auf Grund dieser Klagen durchsetzen können, nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Die Interessengemeinschaft richtet an die ehemaligen Mitglieder der LPG (P) Hohendorf folgenden Aufruf:

Um vorzubeugen, dass nicht wieder wie zu Beginn der 90er Jahre ein zu niedriger Betrag der Abfindung gezahlt wird, empfehlen wir, das Angebot der Geschäftsführung der Agrar GmbH anzuhören, aber in der Höhe nicht gleich zu akzeptieren, um sich eine Bedenkzeit zu sichern bis zur Entscheidung des Landwirtschaftsgerichtes. Die angefallenen Verzugszinsen und Zinseszinsen für 12 Jahre sind ebenfalls geltend zu machen!

Bei Fragen zu Vermögensangelegenheiten ist es möglich, sich bei der Interessengemeinschaft zu melden bzw. sich ihr anzuschließen.

Kontakt: Gerhard Hollmann, Hohendorf, Tel.: 03836/602309

Und: Uwe Bastian, Bürgerbüro e. V., Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur, Tel.. 030/4634806 oder Funk: 0171/2720617


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