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Flath: Wahl zwischen Wachsen oder Weichen
Pressemitteilung vom 23.04.2004


Mit knapp 218 Mio. kg Milchlieferrechten ist am jüngsten Börsentermin für den Milchquotenhandel eine so große Menge wie nie zuvor gehandelt worden, berichtet der Ernährungsdienst vom 07. April. Erwartungen, dass das Interesse an den Quoten auf Grund der nicht zufrieden stellenden Milchauszahlungspreise gering sein könnte, wurden also nicht bestätigt. Zumal der Durchschnittspreis von 0,41 €/kg sogar noch um 1 Cent höher liegt als beim vorausgehenden Handelstermin im Oktober 2003.

Stabile Börse
Eine Nachfrageflaute ist nicht zu erkennen. Hieraus kann man ableiten, dass fast in allen Regionen Deutschlands Milchviehbetriebe wirtschaften, die sich unter den bekannten und vorausschauend abschätzbaren Rahmenbedingungen eine Rendite bei der Milcherzeugung versprechen. In den meisten Fällen dürfte dem Quotenkauf eine mittelfristige Analyse des Marktes und der Produktionsbedingungen vorausgegangen sein, denn die Amortisierung der Quoteninvestition dürfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Der Preis liegt je nach Region immerhin knapp unter bis deutlich über dem Kilopreis für die Molkereianlieferung. Doch nicht alle Nachfrager konnten sich den Wunsch nach zusätzlicher Quote zu einem angemessenen Preis erfüllen. Von insgesamt fast 9400 Nachfragern blieben mit fast 2500 immerhin 26,5 Prozent unbefriedigt. Dies, obwohl auch die Anbieterseite stark vertreten war. Mit fast 270 Mio. kg wurde so viel angeboten wie nie zuvor. Allerdings reichten gut 5000 Anbieter – wovon mit gut 500 nur 9,3 Prozent ihre Quote nicht loswurden – nicht aus, für eine der Nachfrage entsprechende Angebotsmenge zu sorgen.

Aussteigen und „versilbern“
Nach den jüngsten Protesten der Milchbauern gegen die zu rückgehenden Milchauszahlungspreis zeigt das Ergebnis des Börsenhandels, dass sich bei den deutschen Milcherzeugern eine Schere öffnet. Auf der einen Seite steht eine große Zahl von Erzeugern, die zu den gegebenen und zu erwartenden Bedingungen keine Möglichkeit der wirtschaftlichen Milchproduktion mehr sehen. Diese steigen nun vermehrt aus der Produktion aus und „versilbern“ ihre Lieferrechte.

Keine verbuschte Landschaft
Diesen Strukturwandel mag man bedauern, wie es der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner Stellungnahme zum Börsenverlauf tut. Andererseits zeigt sich aber eine gut ausreichende Zahl von Milchbetrieben, bei denen die Voraussetzung gegeben ist, auch unter bestehendem und vielleicht zunehmendem Preisdruck das Geschäft des Kühe Melkens wirtschaftlich lukrativ zu gestalten.
Eine Erhöhung der Milchquoten, wie sie in der EU-Agrarreform vorgesehen ist, wird ein weiterer Impuls für den beschleunigten Strukturwandel sein. Zusätzlicher Preisdruck wird nämlich die Folge sein und die Schere öffnet sich noch weiter.
Befürchtungen, dass ausscheidende Betriebe regional eine verbuschte Landschaft zurücklassen werden, braucht man nicht über zu bewerten. Immerhin gibt es in der Landschaft andere Formen der Grünlandnutzung. Auch ist zu überlegen, wie man diejenigen an der eventuell notwendigen Grünlandpflege beteiligen kann, die an freien Wiesen und einer gegliederten Landschaft interessiert sind. Regionale Tourismusverbände und die Kommunen sollten hierfür gefragt sein – und könnten sogar Ersatzarbeitsplätze schaffen. Die Milcherzeuger haben begriffen: Ohne einen raschen Strukturwandel bleibt das agrarpolitische Ziel einer deutlichen Reduktion der öffentlichen Produktionsbeihilfen eine Utopie.

Flath: Milchbauern bleibt nur Wahl zwischen Wachsen oder Weichen
Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen Flath erwartet durch die Pläne der Bundesregierung zur Umsetzung der EU-Agrarreform eine weitere Leistungssteigerung bei Milchkühen. „Der Trend zu immer weniger Kühen, die immer mehr Milch geben, wird sich verstärken“, kommentierte der Minister die heutige Meldung des Statistischen Landesamtes Kamenz.
Flath zufolge werden die Senkung des Interventionspreises für Magermilch und Butter sowie die von der Bundesregierung geplante deutschlandweit einheitliche Flächenprämie die Erlössituation für Milchbauern drastisch verschlechtern. „Den Bauern bleibt nur die Wahl zwischen Wachsen oder Weichen“, so Flath. Zusätzlich verschärft werde die Situation durch die Preisdumpingpolitik des Lebensmitteleinzelhandels.

Keine Nachhaltigkeit erreicht
Die Betriebszweiganalysen der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft zeigen, das die Mehrzahl der sächsischen Milchviehbetriebe noch keine nachhaltige Wirtschaftlichkeit erreicht hat. Modellrechnungen zufolge wird sich das Betriebsergebnis in spezialisierten Milchviehbetrieben durch die Umsetzung der EU-Agrarreform um 65 bis 100 Euro je Hektar Landwirtschaftsfläche verschlechtern. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation kann nur noch durch Steigerung der Milchleistung, der Milchqualität, durch Kostensenkung und weiteren Rationalisierungsmaßnahmen erreicht werden, so die Landesanstalt.

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