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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Pächter und Verpächter
Kommentar von Dieter Tanneberger
Pressemitteilung vom 02.04.2004


Mit der Einführung der Entkopplung der EU-Agrarprämien ab 2005 und der Kombination zwischen regionalen Flächen- und Betriebsprämien hat sich der Bundestag am 01. April 2004 befasst. Welche Auswirkungen auf die unterschiedlichen Betriebsformen und Strukturen in den ländlichen Räumen sowie auf die Produktmärkte sich einstellen werden, ist nur schwer abzuschätzen. Je nach Produktionsrichtung, Arbeitsverfassung und Standort ist durch die Einführung des Instrumentes der Entkopplung mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die ländlichen Räume und Betriebe zu rechnen.

Familienarbeitsverfassung im Vorteil
Reine Marktfruchtbetriebe werden sich am einfachsten auf die neuen agrarpolitischen Rahmenbedingungen einstellen können. Auf Ackerstandorten kann der Marktfruchtbau problemlos ausgedehnt werden. Reines Grünland sucht dagegen nach alternativen Nutzungen, wie extensive Wildrinderhaltung, aber auch exotische Schaf- und Ziegenhaltung. Für Milch- und Rindfleischproduzenten wird es schlimm. Spätestens zur nächsten Investition wird die Frage stehen, ob die Tierproduktion überhaupt noch sinnvoll ist. Auf schlecht geführte Betriebe wird der finanzielle Druck steigen. Wer noch teure Kredite bedienen muss ebenso. Wer viele fremde Arbeitskräfte beschäftigt, also Betriebe mit Lohnarbeitsverfassung, wie die ostdeutschen LPG-Nachfolger, werden stärker belastet werden, als erfolgreich geführte Familienbetriebe mit Familienarbeitsverfassung.

Schlachtfeste fallen künftig aus
Ein Sprichwort sagt: Der Boden wandert zum besseren Wirt. Das wird sich wohl bald ändern. Die Zeiten, dass der Pächter seinen Verpächter aus der Nachbarschaft besonders „pflegt“, ihn zum Schlachtfest einlud, Hühnerfutter, Heu und Stroh kostenlos für die Kleintierhaltung lieferte, einen hohen Pachtpreis zahlte und den Boden in guter Struktur erhielt, gehen zu Ende. Nach 2005 wandert der Boden überhaupt nicht mehr. Die EU-Agrarreform bestimmt, dass, wer zum Stichtag des 1. Januar 2005 nicht selbst Flächenbewirtschafter ist, niemals mehr Bauer sein wird. Und dass ein flächenarmer Betrieb, der nach diesem Stichtag Flächen kauft oder pachtet, keinen staatlichen Prämienanspruch erhält. Wechselt der Pächter oder der Eigentümer, wechselt die Prämie nicht mit. Der Flächen abgebende Betrieb darf die Prämie behalten und für eventuell eigenen Flächenzuwachs vorhalten. Der Pachtzins wird gravierend fallen, ebenso die Bodenpreise. Der Grundeigentümer wird zur ungewollten Geisel seines Pächters.
Betroffen sind auch alle Großeigentümer von Land, die nicht selbst bewirtschaften: Kirchen, Klosterkammern, die BVVG, gemeinnützige Landgesellschaften. Noch halten diese still, wohl weil sie die komplizierte Materie noch gar nicht begreifen.
Dennoch ist diese Reform unabwendbar und notwendig, wenn der Kern des Systems, nämlich die Akzeptanz in der Gesellschaft, überhaupt erhalten werden soll.

Aber die Prämie muss bei der Fläche bleiben! Unbedingt!

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