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Wir trauern um Dieter Tanneberger
Pressemitteilung vom 02.01.2013


Mit großer Trauer und Bestürzung haben wir vom Tod unseres ehemaligen VDL-Präsidenten Dieter Tanneberger erfahren müssen. Er verstarb am 01.01.2013. Mit ihm verliert der VDL eine große Persönlichkeit, die den VDL maßgeblich geprägt hat. Sein Tod ist ein großer Verlust. Der VDL wird Dieter Tannebergers Andenken stets bewahren.

Dieter Tanneberger wurde am 04. Juli 1941 als Sohn des Landwirts Bernhard Richard Tanneberger in Dittmannsdorf geboren. Er wuchs in den Nachkriegsjahren des 2. Weltkrieges auf. Die Umstrukturierung des privaten Bauernstandes hin zur Kollektivierung prägte ihn sehr.
Der Volksaufstand in Ungarn im Oktober 1956 stachelte einen noch jugendlichen Aufrührer in Dittmannsdorf bei Sayda an, in zwei Nächten an öffentlichen Gebäuden staatsfeindliche Parolen anzubringen: „Spitzbart, Bauch und Brille ist nicht des Volkes Wille“; „Pieck, Ulbricht, Grotewohl, das Volk hat die Schnauze voll!“; „Macht es den tapfren Ungarn nach!“; „Russen raus aus Budapest!“, „Ulbricht, du Hund Moskaus!“; „Freiheit!“. Die Stasi belagerte das Dorf. Dieter Tanneberger wurde in Nassau festgenommen, wo er bei Verwandten Zuflucht gesucht hatte, und in den Jugendwerkhof Karl-Marx-Stadt eingewiesen worden ist. Wegen Boykotthetze wurde er 1957 vor das Kreisgericht Marienberg gestellt.
1962 schrieb er einen Aufsatz zur Entstalinisierung und wurde von der Fachschule für Landwirtschaft in Zug bei Freiberg exmatrikuliert und für 8 Monate zur „Bewährung“ im Saalkreis interniert.
1978 wurde er aus der Blockpartei DBD ausgeschlossen und aus der Aspirantur im Doktorandenseminar an der Karl-Marx-Universität Leipzig entfernt. Er erhielt mehrere Berufsverbote in LPGen und 1988 am Literaturinstitut Leipzig. 1989 engagierte er sich im Neuen Forum und wird als „Demo-Sänger von Olbernhau“ und durch Rundfunkauftritte einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Im Frühjahr 1990 rief er zu Bauernversammlungen auf und wurde im September 1990 Präsident des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer in Sachsen (VDL). Dieter Tanneberger wurde 1991 Gründungspräsident des Dachverbandes Deutscher Landbund und 2000 des Bundesverbandes Deutscher Landwirte.
Zur Bundestagswahl 1998 errang er im Wahlkreis Freiberg für den Bund freier Bürger mit 7,2% über 10.000 Erststimmen. Er ist der bekannteste ostdeutsche Bauernführer und als Redakteur der Wochenzeitung Landpost die wichtigste Stimme bei der Interessenvertretung der ostdeutschen Privatbauern. Dieter Tanneberger war auch Gründungs- und Vorstandsmitglied der Sächsischen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft.

Der VDL hat unter Dieter Tannebergers Führung geradezu sensationelle Erfolge erzielt. Es bleibt sein historisches Verdienst, die agrarpolitischen Deformationen und Vermögenskonflikte der Nachwendezeit ungeschminkt aufgedeckt zu haben. Dabei war er weitgehend ohne Unterstützung durch die politische Klasse geblieben. Er hat sich als Mahner, Akteur und Kämpfer für das Eigentum eingesetzt und stand für bäuerliche Sitte und Tradition. Der VDL wurde Dank Dieter Tanneberger zum Erneuerer des Berufsstandes in Ostdeutschland gegen die Verkrustung und den Filz im Deutschen Bauernverband. Was wäre geschehen ohne den VDL, einen VDL ohne Dieter Tanneberger? Es hätte die entscheidende dritte und vierte Novelle des LwAnpG nicht gegeben. Die Rechtsbeschwerde zu den Oberlandesgerichten wäre den kleinen Leuten auch nach 1994 genommen geblieben. Über 150 BGH-Entscheidungen, durch VDL-Anwälte erstritten, wären nicht herbeigeführt worden. Tausende Amtsgerichtsentscheide, OLG- und BGH-Urteile zur Vermögensauseinandersetzung, zum Fondsausgleich der LPG Typ I, zum Feldinventar, auf bare Zuzahlung nach § 28 (2), über den „wahren Wert“ und nicht zuletzt über die gescheiterten „LPG-Umwandlungen“ und die Bilanzanfechtungen wären nicht geschrieben worden. Die Enteignung 45/49, die russischen Rehabilitierungen, die Bundesverwaltungsgerichtsurteile zur Sachenrechtsbereinigung - alles undenkbar ohne die Entschlossenheit und Kampagnefähigkeit des VDL und Dieter Tanneberger. Den industriellen Agrarbetrieben wären längst die Milliarden sogenannter Altschulden gestrichen worden; die Landnahme der Roten Barone wäre noch viel verhängnisvoller ausgefallen. Die großen Kundgebungen in Leipzig und in unzähligen anderen Orten wären ausgeblieben. Vor allem aber: Der privatbäuerliche Berufsstand wäre ohne geistig-moralische Führung geblieben. Mut- und Ratlosigkeit hätten sich wie ein roter Mehltau über die ostdeutschen Dörfer gelegt.

Namens des Vorstandes, des Landespräsidiums des Bundesverbandes Deutscher Landwirte und des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen e.V. und aller Mitglieder des Verbandes danken wir Dir, Dieter, der Du uns alle sehr fehlen wirst.

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